Killerspiele
Ein kurze Info vorneweg: Es gibt keine (!) juristische Definition dessen, was unter einem “Killerspiel” zu verstehen ist. Darüber hinaus ist durch den Begriff “Killer” eine vorverurteilte negative Meinung festgelegt, was eine sachliche Diskussion darüber unmöglich macht.
Dennoch möchte ich etwas genauer auf diese Diskussion eingehen.
Die Debatte darüber, ob man diese Art von Computerspielen verbieten sollte, existiert nicht erst seit gestern. Tragische Ereignisse – wie der vor kurzem stattgefundene Amoklauf in einer Schule in Winnenden – fordern die Suche nach einem Schuldigen. Und da der eigentliche Schuldige, der Amokläufer selbst, nicht auf auf dieser Welt weilt (wie es bei Amokläufen häufig der Fall ist), kann sich die Gesellschaft nicht mehr an ihm für seine grausame Tat rächen. Hätte er überlebt, wäre alles kein Problem. Ein Gericht hätte ihn verurteilt: Lebenslange Gefängnisstrafe mit anschließender Sicherungsverfahrung. Damit wär die Sache klar gewesen. Nun, da der Schuldige tot ist, sucht man also nach einem neuen Schuldigen.
Und da kommt es natürlich gelegen, dass sich der Amokläufer in seiner typischerweise ganz “normal” verhielt und wie jeder andere Jugendliche in diesem Alter auch Computerspiele auf seinem PC installiert hat. Für viele ist dann klar: Die Spiele sind schuld an allem. Dass diese Spiele überhaupt keine Jugendfreigabe haben und gar nicht gespielt hätten werden dürfen, interessiert natürlich in diesem Moment überhaupt nicht. Auch wird darauf in keiner Diskussion darauf hingewiesen oder es berücksichtigt, dass es ja schon Verbote gibt. D.h. also es existiert schon ein Verbot für solche Spiele. Aber anscheinden hält sich da keiner dran. Und wieso sollte man sich dann an ein neues Verbot halten, welches inhaltlich nicht viel neues bringt? Na gut, man könnte die Strafen verschärfen. Aber dass härtere Strafen abschrecken, wird durch unzählige Statistiken bewiesen.
Wieso um alles in der Welt, fordert ein Bundespräsident dennoch ein Verbot mit der Begründung, die weder Hand noch Fuß hat? Warum ist auf einmal die Gewalt in Spielen schlecht, aber in Film- und Fernsehen wird sie gefördert? Im Musikgeschäft sieht es ähnlich aus. Gewaltverherrlichende, frauenfeindliche Texte, gesungen von möchtegern Musikern und selbsternannten “Gangstern” dürfen problemlos produziert und in allen Geschäften ohne Altersbeschränkung verkauft werden.
Aber vermutlich braucht es einfach diese Diskussion. Sie lenkt von den eigentlich Problemen ab und hat den Vorteil, dass man nicht handeln braucht. Denn ein tatsächliches Verbot wird es definitiv nicht geben. Nicht nur, weil die Gründe, die dafür sprechen würden, juristlich keinerlei Grundlage haben, sondern es gibt noch einen viel trivialeren Grund:
Politiker brauchen diese Killerspiele. Würde man sie verbieten, hätte man keinen schwarzen Peter mehr, den man rumreichen könnte. Es braucht immer etwas, dem man die Schuld geben kann. War es früher die Musik oder das Fernsehen, so sind es heute Computerspiele.
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